Verein Kinderkrippe Kindergarten Schule

Das Leitbild als PDF

 

Leitbild

 

 

Freie Waldorfschule Balingen


 

Vorwort

Im Frühjahr 2001 begann eine Gruppe von Eltern und Lehrern im Auftrag des Kollegiums und des Vorstands damit, das Leitbild für die FREIE WALDORFSCHULE BALINGEN zu erarbeiten. Auf einem mehrstufigen Weg, der für weitere Teilnehmer aus der Schulgemeinschaft jederzeit offen stand, wurden bis zum Jahresende richtungsweisende Leitsätze formuliert. Viele unterschiedliche Beobachtungen und Erfahrungen, auch von außenstehenden Menschen, sind in diesen Prozess eingeflossen. Wir machten uns zunächst die Gründungsimpulse und die Lebenslinie der Schule bewusst. In der Auseinandersetzung mit dem „Erscheinungsbild“, dem „Selbstbild“ und zahlreichen „Fremdbildern“ von unserer Einrichtung näherten wir uns ihrer besonderen Prägung, ihrer Identität an. In einem letzten Schritt überprüften wir die Kerngedanken im Lichte der Zukunft. Auf einem offenen „Leitbildtag“ im November wurde dieser Entwurf im Gespräch mit interessierten Kollegen und Eltern aus allen Klassenstufen erläutert und diskutiert. Anregungen wurden bei der Endredaktion aufgenommen.

Dieses Leitbild möchte die Ideale und Ziele, die der Arbeit an unserer Schule zugrunde liegen, so zu-sammenfassen, dass Mitarbeiter und Eltern einen Orientierungshorizont für ihr individuelles Tätigsein erhalten. Gleichzeitig öffnet das Leitbild den Blick für die Herausforderungen, die aus der Zukunft auf uns zukommen. Es ist Teil der umfassenden Qualitätsentwicklung an unserer Schule und dient vor allem der Verständigung nach innen.

Das Leitbild kann uns in dem Bemühen unterstützen, die Waldorfpädagogik für die uns anvertrauten Kinder lebendig und zeitgemäß zu gestalten.
Möge es viele Menschen dazu anregen, ihre Impulse und Kräfte in den Dienst der gemeinsamen Aufgabe zu stellen!

Balingen, im Januar 2002

 

 

„Lebendig werdende Wissenschaft!
Lebendig werdende Kunst!
Lebendig werdende Religion!
Das ist schließlich Erziehung,
das ist schließlich Unterricht.“

RUDOLF STEINER



Vision

Wir, die in der FREIEN WALDORFSCHULE BALINGEN tätigen Menschen, wollen die Fragen von Erziehung und Unterricht ganz aus einem Verständnis des menschlichen Wesens begreifen und handhaben. Wir verstehen uns in diesem Sinne auch als eine forschende Gemeinschaft auf der Grundlage der anthroposophischen Menschenkunde.
Mit Fragen zu leben, in Entwicklung zu bleiben und Selbsterziehung zu üben betrachten wir als unsere Ideale.

• Was ist im Kinde angelegt?
• Wie tritt es uns entgegen?
• Was braucht das Kind, was der Jugendliche zu seiner gesunden Entwicklung?
• Wie kann der Heranwachsende Kräfte ausbilden, die ihn in die Lage versetzen,
Verantwortung für die eigene Biographie zu übernehmen,
die Schöpfung zu bewahren
und dem sozialen Zusammenleben der Menschen verschiedener Nationen und
Kulturen Gestalt zu geben und zu dienen?

Wir arbeiten auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes, das mit der überzeitlichen Individualität des Menschen rechnet. Dazu gehört auch, dass wir die Vielfältigkeit der religiösen Überzeugungen achten.

Wir verstehen Schule als einen Lebensraum. Die Heranwachsenden sollen die Vielfalt der Lebensvorgänge mit allen Sinnen erfahren und handelnd begreifen können. Darin sehen wir einen Auftrag an unsere Ausstattung, unsere Methodik und Didaktik und unsere Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Kooperationspartnern.


Aufgaben

Den Menschen verstehen wir als ein Beziehungswesen. Als Schule wollen wir mannigfaltige Anlässe und Räume für Begegnung und Beziehung stiften. Der menschenbildende Wert von Begegnung kann sich nur in einem Milieu der Aufmerksamkeit, der Achtung und der Herzenswärme entfalten. Diesen Raum im täglichen Unterricht, im gemeinschaftlichen Arbeiten, im Feiern der Jahresfeste oder im künstlerischen Gestalten zu bilden und zu pflegen ist uns ein besonderes Anliegen.

Die FREIE WALDORFSCHULE BALINGEN versteht sich im Sinne RUDOLF STEINERs als „Menschenschule“, die frei sein will von Denkmustern wie Auslese oder einer engen Prüfungsorientierung. In diesem Sinne wollen wir die Heranwachsenden nicht primär zu „Abschlüssen“, sondern zu biographischen „Aufschlüssen“ führen. Vor diesem Hintergrund sehen wir es als unseren Auftrag an, nach Qualitätsmaßstäben und Formen von Wertschätzung zu suchen, die dem Umfang und der Eigenart individueller Leistung gerecht werden. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Form von Anerkennung im öffentlichen Leben an Akzeptanz gewinnt.
Wir erkennen dennoch den Stellenwert des gegenwärtigen Berechtigungswesens an und tragen dafür Sorge, dass die Schüler ihren Weg zur Bewältigung der staatlichen Prüfungen finden.

Auch Kinder mit besonderen Begabungsprofilen und mit Entwicklungsverzögerungen, sofern sie im Klassenverband gefördert werden können, bereichern unsere Schulgemeinschaft. Wir arbeiten daran, den Herausforderungen einer zunehmenden Individualisierung der Kinder pädagogisch gerecht zu werden und bieten auch therapeutische Hilfen auf diesem Weg an.

Wir bemühen uns, altersgemäße Projekte zu entwickeln, an denen Weltinteresse erwachen, Verantwortung geübt und schöpferisches Denken gelernt werden kann. Den gesellschaftlichen Wandel verstehen wir als Herausforderung an den einzelnen Menschen, Ich-Kräfte und Selbstunternehmertum auszubilden. Mit wachsender Altersstufe treten daher Autorität und Lenkung zurück gegenüber Formen des selbstorganisierten Lernens.


Wege

Die FREIE WALDORFSCHULE BALINGEN wurde nach mehrjähriger Vorarbeit durch eine Elterninitiative 1986 gegründet. Zusammen mit dem ihr angegliederten Waldorfkindergarten ist sie Teil einer weltweiten kulturübergreifenden und autonomen pädagogischen Bewegung.

Wir fördern die uns anvertrauten Kinder in einem zwölfjährigen Bildungsgang so, dass Denken, Fühlen und Wollen gleichgewichtig und in ihrem organischen Zusammenwirken entwickelt werden.

• Von der ersten Klasse an regen wir die Kinder zu einer inneren Bildtätigkeit an. Sie sollen die Zusammenhänge der Welt nicht als totes Wissen, sondern als lebendige, im Gefühl verankerte Begriffe und Ideen erfahren. Die Vermittlung der Kulturtechniken schließt die Ausbildung zur Mehrsprachigkeit, naturwissenschaftliche Erkenntnisschritte und einen zeitgemäßen Umgang mit Informati-onstechnologien mit ein.

• Künstlerisches Tun in allen Klassenstufen und eine künstlerische Durchgestaltung aller Unterrichtsinhalte veranlagt die Verwandlungskraft der Phantasie und führt zur Selbsterkundung. In tätiger Auseinandersetzung mit Sprache, Musik, Bewegung, mit Farbe, Stein und anderen Materialien werden Wahrnehmungsfähigkeiten ausgebildet und Willenskräfte geschult. Darüber hinaus wird der Gefahr einer Vereinseitigung der menschlichen Entwicklung vorgebeugt.

• Im Umgang mit der Erde, in der Pflege von Feld und Garten begegnen die Kinder den Naturkräften und sie entwickeln ein Verantwortungsgefühl für Mitwelt und Kosmos. Durch begleitete Praktika wird eine individuelle Auseinandersetzung mit den Arbeitserfordernissen der Gegenwart, aber auch mit Fragen der Berufswahl, angeregt. Im Tätigsein wird die menschliche Arbeit in ihrer sozialen Bestimmung, frei von Be- und Entlohnung, als sinnhaft erfahren.

Im Sinne unseres Lebensraum-Konzeptes streben wir eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung zur Ganztagesschule an. Wir sind uns bewusst, dass für die Zukunftsgestaltung unserer Pädagogik eine lebendige Verständigung über die Fach- und Schulgrenzen hinaus fruchtbar und notwendig ist.



Schulgemeinschaft

Zur Schulgemeinschaft gehören Schüler, Mitarbeiter, Eltern, Förderer und Freunde. Wir pflegen innerhalb dieser Gemeinschaft einen intensiven, um Wahrhaftigkeit bemühten Austausch und streben ein partnerschaftliches Zusammenwirken an.

Eltern und Mitarbeiter sind aufgerufen, zum Wohle der Kinder ihre Fähigkeiten und ihr Engagement in die Weiterentwicklung der Schule einzubringen. Sie übernehmen gemeinsam die schulische Selbstverwaltung in verschiedenen Organen und Arbeitskreisen. Sie betrachten dies auch als Lernfeld in Gemeinschaftsbildung. Eine kontinuierliche Schüler-Mitverantwortung halten wir für fruchtbar und notwendig. Erfahrungsberichte und Anregungen ehemaliger Schüler sind für uns wertvoll.

Sowohl im Umgang mit den Gehältern der Mitarbeiter als auch mit den Beiträgen der Eltern soll die Idee einer Solidargemeinschaft wirksam werden. Durch dieser Leitidee angemessene Vereinbarungen wird allen Familien, die diese Schule für ihre Kinder wollen, ein Zugang ermöglicht. Dementsprechend tragen die Eltern der Schulgemeinschaft mit Sorge für den ausreichenden Lebensunterhalt der Mitarbeiter und ihrer Familien.

Die FREIE WALDORFSCHULE BALINGEN möchte vielfältige Möglichkeiten für eine Weiterbildung im Elternsein schaffen. Sie fordert die Eltern in ihrem Bemühen, den Lernprozess des Kindes aktiv zu begleiten. Sie versteht sich insofern auch als eine Elternschule. Inhalte und Formen der Elternarbeit werden in engem Zusammenwirken der jeweils Beteiligten vereinbart.

Innerhalb unseres pädagogischen Konzeptes vertrauen wir der Initiative des Einzelnen und unterstützen diese. Gleichzeitig bemühen wir uns gemeinsam um eine stetige und bewusste, der sozialen Einrichtung angemessene Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung in allen Bereichen. Dazu gehört die Überprüfung und Weiterentwicklung unseres Leitbildes in gewissen Zeitabständen.